Eragon – Oder: Wie man ein tolles Buch verstümmelt
6 04 2009Ich lese gerne. Das wissen die meisten meiner Bekannten. Allgemeinhin wird einem ja geraten sich nie eine Buchverfilmung anzusehen wenn einem das Buch gefallen hat.
In den letzten Monaten habe ich vorallem drei Dinge gelesen – Discworld, die Eragon-Trilogie und die Inkheart-Trilogie. Hierbei zeichnen sich gute Bücher für mich auf zwei Weisen aus. Entweder sie sind so gut das mir die Charaktäre und Vorkommnisse noch Wochen später lebendig in Erinnerung sind, oder sie sind vom Stil her interessant genug um sie immer wieder zu lesen.
Während Inkheart nun leider auf ganzer Linie einfach nur schlecht war, war Eragon ein Volltreffer. Tolle Charakterentwicklung, eine glaubhaft dargestellte Welt ohne große Redundanzen, ein Junge der schneller erwachsen wird als ihm lieb sein kann. Von vorne bis hinten einfach toll.
Der Film dagegen? Ein Desaster. Es stimmt wirklich nichts mehr. Vielschichtige Charaktäre die viel zur Story beitragen kommen nur als billige, stereotypisierte Gesichter am Rande vor. Brohm ist ganz scharf darauf Eragon so schnell wie möglich zu den Warden zu schleppen, ganz im Gegensatz zum Buch, in dem Brohm bis zum Tode versucht Eragon vor den politischen Irrungen und Wirrungen die seine Rolle als Drachenreiter mit sich bringen zu schützen. Brohm ist so eindimensional das es schon weh tut, und während man beim diamantenen Grab im Buch fast mitweint ist der Brohm des Films halt einfach futsch. Genauso werden Eragon und Saphira im Buch gemeinsam erwachsen. Im Film verwandelt sich Saphira in einem “magischen Gewitter” innerhalb von Minuten vom quakenden Drachenjunges zum voll ausgewachsenen, altklugen Drachen.
Angela die Kräuterfrau, im Buch einer meiner Lieblingscharaktäre, hat im Film einen ca. 30-sekündigen Gastauftritt der ihr nichtmal Ansatzweise gerecht wird.
Es fehlt so dermaßen viel, und das was drin ist wurde so verdreht, dass der Film mit dem Buch eigentlich nichts mehr gemeinsam hat.
Der Film als solcher ist auch komplett inkohärent. Es gibt Schnitte die solche Sprünge im Geschehen darstellen, das man als Zuschauer eigentlich nur verwirrt zurückbleibt.
Und das schlimmste, aber das ist subjektiv, ist der Hauptdarsteller. Dieser Bubi hätte vielleicht in die neueste Teenie-Serie im Fernsehen gepasst, aber nicht als Mittelalterlicher Bauernjunge.
Im Ernst – der Film ist mies, und eine Beleidigung an alle Fans der Bücher.